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Terminübersicht

KunstWerk der Woche

Zwei Skulpturen von Ann Reder

 

25. April 2021

Liebe Freundinnen und Freunde der Galerie,

 

Ann Reder fasst ihre Skulpturen bevorzugt monochrom. Dabei unterstützt die kräftige, aber reduzierte Farbigkeit die klaren Geometrien der Form. Es gibt keinen Körper, der nicht mit ruhigem Schwung und ausstrahlender Energie den Raum füllt. – Für diese Aussendung haben wir zwei Arbeiten aus unserer Skulpturenagalerie ausgewählt, die wir erstmals in der Ausstellung vor einem Jahr zeigten. Die Ausführungen von Ekkehard Tanner passen sehr gut auf die beiden ausgewählten Arbeiten:

 

„Ann Reders Plastiken sind gleichsam von Strenge wie von materieloser Leichtheit geprägt. Sie sind gleichzeitig Skulptur und Malerei, denn Bildgrund und Farbe sind nicht voneinander zu trennen. Anregungen für ihre Plastiken findet die Künstlerin etwa in der Natur ihrer ersten Heimat Norwegen, in den Kämmen von Wellen, ebenso wie in den Graten der Rümpfe und Kiele eines Schiffes. Ihre Arbeiten tragen Titel wie „Welle“ oder „Fisch“, manche tragen Norwegische Titel, wie „Hav“, zu Deutsch „Meer“, „Lys“ – „Licht“ oder „Tid“ – „Zeit“.

Auch die nach dem um 1200 in Pisa lebenden Mathematiker benannte Fibonacci-Folge inspirieren die Künstlerin. Es sind aber nur Anregungen, denn Ann Reders Arbeiten sind Konkrete Plastiken. Sie haben keine direkte Beziehung zur visuellen Wirklichkeit, noch wollen sie Abbild der Natur sein. Sie sind ungegenständlich und wirken unmittelbar auf den Betrachter.

Die Objekte von Ann Reder sind sämtlich aus Sperrholz und biegsamem Pappelholz gefertigt. Die Oberflächen sind glatt. Die Handschrift der Künstlerin bleibt ebenso unsichtbar wie der Prozess der Entstehung.

Ann Reder arbeitet mit Rundungen und konkaven Partien. Energiegeladene Bodenskulpturen die aus Schwüngen und Kurven gebildet sind, finden ihr Gleichgewicht und stehen von alleine im Raum. Es herrscht eine Ambivalenz zwischen Strenge und Leichtigkeit, Annäherung und Distanz, Spannung und Ruhe.

Bassist.

Eine Einlinienfigur von Gerhard Schmitthenner

18. April 2021

Liebe Freundinnen und Freunde der Galerie,

 

beim Besuch unserer Skulpturengalerie ist Ihnen sicherlich das leicht und luftig in den Raum gezeichnete Kamel von Gerhard Schmitthenner aufgefallen. Es ruft Erstaunen hervor, da man recht schnell sieht, dass es aus nur einem Draht gearbeitet ist und doch sofort die Idee von einem Kamel hervorzaubert. Wir können uns vorstellen, dass Sie mehr über den Künstler und seine Arbeiten wissen wollen und legen Ihnen einen sehr erhellenden Text von Wolf von Wolzogen zur Wochenendlektüre ans Herz:

„Meine Hände sind klüger als mein Kopf!“, das war das Credo des Offenbacher Schriftkünstlers Rudolf Koch (1876-1934). Ihm ging es damals allein um die Neugestaltung von Schrift, während Gerhard Schmitthenner sich seit einigen Jahren virtuos mit der Entstehung von Drahtfiguren auseinandersetzt, die, anders als eine Schrift auf Leinwand oder Papier, ins Dreidimensionale sich entwickelt haben. Gerhard Schmitthenner spricht dabei vom spontanen Entstehen aus einem „Guss“, wobei sich die Proportionen ausschließlich nach Gefühl und Augenmaß bestimmen. Hat er einmal die Blumendrahtrolle in den Händen, lässt Schmitthenner in gleichsam meditativer Weise den Figuren den notwendigen Phantasieraum, bis der Prozess des Biegens und Formens ihren intuitiven Abschluss finden. Es ist wie in einem Aufsatz Heinrich von Kleists „über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“: Es gilt, einen Weg zu beschreiten, auf dem sich unter den Händen etwas ereignet, das aber noch kein Ziel vor Augen hat. Dieses meditative Abspulen in den (gedanklichen) Raum hält für Schmitthenner deswegen auch immer Überraschungen bereit, wie plötzliche Umwege und Abzweigungen. "Aber ...", wie Schmitthenner anmerkt, „ ... je weniger ich nachdenke, desto besser ist das Ergebnis“, so wie Paul Klee es charakterisierte: „einen Spaziergang nehmen um seiner selbst willen, ohne Ziel“.

So hat sich aus kleinsten Formen der wie unabsichtlich am Küchentisch geformten Drahtfiguren, die schon die Schmitthenner'sche Galerie 21 in Potsdam bevölkerten, allmählich eine Generation unverwechselbarer Einlinienfiguren herausgebildet: Neben „Herr + Hund“ oder einem „ Bassisten“ finden wir Figuren wie Ameisenbär, Kamel, Fuchs oder Wolf, die wir allesamt zu kennen meinen, die aber in ihrer Fragilität ganz neue Fragen aufwerfen. Zumal wenn es um die unterschiedlichen Perspektiven geht, die in Zusammenhang mit Lichtbrechung und Spiegelung auf oder vor Glasflächen entstehen und die transparenten Figuren gleichsam zum Tanzen bringen.

 

Gerhard Schmitthenner unterscheidet zwei Größen seiner Drahtfigurinen, wobei die größeren Formen, also zwischen 20 bis 40 cm Höhe, Abbilder der kleineren sind, gewissermaßen Reproduktionen mit Eigensinn. Jedoch ist hier die Drahtstärke eine andere: „Ich verwende geglühten Draht mit 2,5 bis 3,2 mm Durchmesser – damit kann man nicht mehr spontan formen bzw. korrigieren und man braucht eine fertige Vorgabe, in meinem Fall die Blumendrahtmodelle.“

Menschenmaß hat sein „Radler“ als Skulptur gewordenes Denkmal auf schiefer Ebene mittlerweile angenommen. Dereinst soll er im Gravitationszentrum des durch die „Kunst-Kirchweih“ zu überregionaler Bedeutung gelangten Fichtelgebirgsortes Tröstau aufgestellt werden, wo ein ganzer Ort durch die Kunstaktionen in Bewegung gebracht, gleichsam „gerockt“ worden war. Nicht zuletzt durch die leichten Figuren von Gerhard Schmitthenner.

 

Herzlich

Marina Grützmacher

Kennen Sie diese Arbeiten schon?

Reiter von Menno Fahl

11. April 2021

Liebe Freundinnen und Freunde der Galerie,

 

Ihnen sind die Nachtbilder von Julia Steinberg vielleicht noch aus der letzten Ausstellung bekannt, wo wir sie mit Landschaftsansichten, Reliefs und Grafiken zeigten. Man kann die nächtlichen Stadtstücke kaum betrachten, ohne sich an schöne Orte im Süden zu erinnern, die man hoffentlich bald wieder besuchen kann. Denken Sie vielleicht auch an die hohen Bögen in Venedig zwischen den Gassen, die von einer idyllischen Ecke der Stadt in die nächste führt? Julia Steinbergs Architekturen sind allerdings keine realen Ansichten, sondern Kompositionen, die nicht nur in den Farben, sondern auch in den bildlichen Bezügen zwischen Oben und Unten, Nah und Fern geschickt in Balance gebracht werden. Eine unauffällige aber wirkungsvolle Lichtregie trägt ebenfalls zur starken Wirkung des Pastells bei. Obwohl das Bild sachlich aufgebaut ist und nicht alle Farben so in einer nächtlichen Stadtlandschaft zu finden sind (haben sie jeweils nachts solch ein kräftiges Blau oder ein in ein Pink gehendes Rot gesehen?), entsteht eine fast romantische Stimmung, die einen Hauch von Oleanderduft verströmen könnte. Die Malerei von Julia Steinberg, vermag es, uns auf eine stimmungsvolle Reise zwischen Erinnerung, Wirklichkeit und Traum zu schicken.

 

Herzlich

Marina Grützmacher

Kennen Sie diese Arbeiten schon?

Reiter von Menno Fahl

28. März 2021

Liebe Freundinnen und Freunde der Galerie,

 

Menno Fahl hat das uralte Faszinosum Pferd und Reiter neu bearbeitet. Als einer in der Moderne verwurzelter Künstler nimmt er Fundstücke handwerklichen oder industriellen Ursprungs aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang heraus und setzt sie neu zu einem etwas anderen Reiterstandbild zusammen. Von einem kaputten Spielzeug nimmt er beispielsweise ein Ohr, ein Gewinde wird zum Mund, ein Schraubenkopf zum Auge. Mit unglaublicher Treffsicherheit findet er in der großen Materialansammlung in seinem Atelier, aber auch beim Vorbeilaufen auf der Straße genau das Stück, das zu einem Fuß, einem Schenkel oder zu einer Mähne werden wird. Es folgt ein geplanter und kontrollierter Auswahl- und Zusammensetzungsprozess, der allerdings spontan Platz für überraschende und humorvolle Einfälle lässt. Der viel zitierte Materialcharakter der Fundstücke tritt zurück, denn entscheidend zur Auswahl sind Struktur und Form in Hinblick auf die Möglichkeit einer  lebendigen  Zusammensetzung in der Figur. Das Ergebnis dieses Prozesses sind Konstruktionen aus ausgewählten Fragmenten, die den ursprünglichen Fundzusammenhang noch erkennen lassen, aber dabei etwas unverkennbar neues Figuratives ergeben. Schon in den Materialien angelegte Raster, die in durch Punkte gegliederte Flächen ihre Fortführung finden, strukturieren und verbinden die Figur. Die häufige Verwendung von Weiß und hellen Tönen unterstützt die in den Figuren angelegte Leichtigkeit, nimmt ihnen die letzte Schwere und betont die plastischen Qualitäten der Figuren. Aus achtlos weggeworfenen Stücken entstehen so Reiterfiguren, die sich mit offenen Augen das Hier und Jetzt aneignen.

 

Herzlich

Marina Grützmacher

Kennen Sie diese Arbeiten schon?

Gesichter - faces von Ev Loehr

21. März 2021

Liebe Freundinnen und Freunde der Galerie,

 

"Gesichter – Faces" hatte Ev Loehr Anfang letzten Jahres neben anderen Papierarbeiten, Objekten und Installationen im KunstRaum gezeigt. Im Gesicht spiegelt sich das Innere des Menschen; in ihm kann man häufig seine inneren Befindlichkeiten ergründen. Es sind – so berichtete Eberhard Tanner in seiner Einführung – Skizzen, die häufig von genauen Beobachtungen von Mitreisenden auf Ev Loehrs regelmäßigen Zugfahrten angeregt wurden. Die Arbeiten entstehen dann später im raschen Prozess aus Dünndruckpapier und Kleister und werden meist mit weißer Farbe nachbearbeitet, um Form und Struktur zu unterstützen. „Die Menschen beschäftigen mich unwahrscheinlich“, so die Künstlerin. Sie hat einen Eindruck vom Menschen gewonnen, jedoch sind die Gesichter keine Porträts, denn sie löst sich von der Person und lässt dem Material freien Lauf. Mit einer vielleicht schon abstrahierten Vorstellung eines Gesichtsausdrucks und einem Material, das ihr kaum Widerstand entgegensetzt, entstehen luftige Gesichter, die eine spezifische Charakteristik oder Mimik einfangen. Scheint das eine Gesicht nicht von Skepsis erfüllt? Scheint das andere nicht mit halb geschlossenen Augen zu singen? – Leicht wie ihr Entstehen ist auch der zarte, schwebende Eindruck der Gebilde, die nur an einem Faden aufgehängt sind.

 

Herzlich

Marina Grützmacher

Kennen Sie diese Arbeiten schon?

Löwenpaar von Reinhold Petermann

28. Februar 2021

Liebe Freundinnen und Freunde der Galerie,

 

an einem erfrischenden Vorfrühlingstag wie heute führt es nicht nur die Menschen ins Freie. Auch unser Löwenpaar von Reinhold Petermann posierte im Garten.

 

Das Werk des 2016 verstorbenen Bildhauers Reinhold Petermann ist sehr facettenreich und spiegelt lebhaft die Kunstentwicklungen seiner Zeit wider, denen er eine persönliche Note hinzufügt. Schon früh erkannte er als ein bildhauerisches Element die Spannung zwischen Oberfläche und Kern der Skulptur zur Formfindung seiner Figuren. Als Meisterschüler von Emy Roeder lernte er bei ihr einen straffen und fast lapidar zu nennenden Stil kennen, der sich in einem akzentuierten und komplexen Umgang mit Volumen und Körper äußert. Petermann verbindet diese Einflüsse zu einer präsenten Körperlichkeit auch in weniger voluminösen Figuren und erzeugt so eine gute Lesbarkeit der Strukturen, die der Skulptur zugrundeliegen. Es entstehen vereinfachte  und dabei natürlich scheinende Formen. Auch im Löwenpaar werden diese Spannung und Konzentration als Ausdruck des äußeren und inneren Wesens der Skulpturengruppe sichtbar.

 

Herzlich

Marina Grützmacher

10. Januar 2021

Kennen Sie diese Arbeiten schon?

J.W. v. Goethe und A. v. Droste-Hülshoff

von Dao Droste

21. Februar 2021

Liebe Freundinnen und Freunde der Galerie,

 

„nomen est omen“ – der gemeinsame Nachname ist sicherlich nur ein Grund, warum sich Dao Droste mit der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff beschäftigt. Dass Johann Wolfgang von Goethe in der Galerie neben ihr hängt, weist auf weitere Aspekte hin, die sicherlich indirekt auch mit ihrer taoistischen Grundhaltung zu tun haben: In allem ist Natur. Alle drei Künstler sehen den Menschen im engen Bezug zur Natur, in der wohl gewünschten aber nicht immer friedlichen Koexistenz mit sich und seiner Umwelt, als Teil des Prozesses von Werden, Sein und Vergehen.

 

Als Vorlage für die Hommage an die beiden Dichter nimmt Dao Droste jeweils die vielleicht berühmtesten  Porträts der beiden. Dao Droste fügt die Schreibfeder, Insignien ihres Künstlertums, hinzu und ergänzt sie mit Anspielungen aus den Werken wie der Libelle, der Goethe ein lebensfrohes Gedicht widmet, das die scharfe Beobachtung des Naturwissenschaftlers nicht verleugnet kann. Auch Droste-Hülshoff beschrieb die Libelle am „Weiher“. Die gefalteten Zettel mit dem beschriebenen Papier deuten nicht nur auf Botschaften sondern auch auf die asiatische Tradition hin, den Ahnen Geschenke zu übergeben. Beide Bilder sind Ehrungen der Dichterin und des Dichters als Erinnerungsbewahrer und Vermittler zwischen Mensch, Natur und Kunst.

 

Herzlich

Marina Grützmacher

 

Kennen Sie diese Arbeiten schon?

"Florence" von Uschi Lüdemann

Liebe Freundinnen und Freunde der Galerie,

 

die Farben und die Weite von Uschi Lüdemanns Gemälden hätten nun die Galerieräume erfüllt.

Eine Ausstellung, deren Heiterkeit und Suggestivkraft ideal für eine Eröffnung nach dem erneut verlängerten Lockdown gewesen wäre, muss nun verschoben werden – wohl auf den Herbst. Glücklich die, die vor einem

Bild von Uschi Lüdemann stehen oder sitzen können, denn es zeigt die Kraft der Farben und erzeugt

eine große Imaginationskraft, die die Fantasie fängt und auf Reisen gehen lässt.

 

Uschi Lüdemann beginnt mit einer Farbsetzung, aus der sich das weitere Farbfeld und dann die nächsten ergeben. Sie folgt dabei weniger einem konkreten Plan als der prozessualen Logik aus dem Farbton und der Materialität, die von ihrem Gefühl für Farbauftrag und -transparenz sowie die Interaktion der Farbwerte untereinander geleitet wird. Häufig vermeint man in ihren Bildern eine Landschaft zu erkennen. Natureindrücke und vor allem die lebhafte Vorstellung vom Farbspiel zwischen Licht und Dunkel führen zu einem geheimnisvollen Bild, in das man sich versenken kann. Selbst konkrete Titel wie „Florenz“ verbinden wir nicht leicht mit einer Stadt, sondern mit Emotionen, die wir mit dem Ort verbinden.

 

Uschi Lüdemann schreibt selbst über ihre Malprozesse: „Mich interessiert der Umgang mit den Materialien, der Prozess der Bildfindung, die Expressivität der Farbe, des Materials, der Linie, Vielschichtigkeit, Tiefenräumlichkeit, Farbverdichtungen, -verläufe, -zusammenhänge, malerisches Erforschen und Assoziieren. Denken, Wahrnehmen, Sehen, Sich-bewusst-werden, Erinnern, Finden, Erfinden, Empfinden, Sich-entscheiden. Übermalen, Zerstören, Neuschaffen, Neuentdecken, Sich-annähern, Sehen, Sichtbarmachen. – Ein Bild, verwundbar und brüchig, intensiv und fragil.“

Für mich sind es Lichtblicke in dieser trüben Zeit.

 

Herzlich

Marina Grützmacher

 

Kennen Sie diese Arbeiten schon?

"Europa und der Stier" von Michael Jastram

14. Februar 2021

Liebe Freundinnen und Freunde der Galerie,

 

der Mythos lässt vermuten, dass die Geschehnisse um Europa mit einer stürmischen Liebesgeschichte begannen, an dessen Ende unser Kontinent nach der von Zeus in Stiergestalt entführten Königstochter Europa benannt wurde. Ob diese Erzählung für eine romantische Valentinstagsgeschichte geeignet ist, mögen Sie selbst einschätzen. Das Motiv gibt uns die willkommene Gelegenheit, auf ein Hauptwerk der letzten Jahre von Michael Jastram hinzuweisen.

 

Schon immer faszinierte den Bildhauer das archaische Thema des  Reiters – oder wie hier der Reiterin. Häufig haben diese mit einer Fahne oder Balancestange den Blick ruhig nach vorne gerichtet mit einem Ausdruck von gelassener Offenheit für das Kommende wie beim Weltenreiter. In vielen Arbeiten rückt – vielleicht angestoßen durch die globalen Umwälzungen der letzten Jahre – gerade das Moment der Mobilität immer mehr in den Vordergrund. Karren und vor allem das Rad stehen hierfür. So wundert es nicht, dass der Europa tragende Stier ebenfalls mit zwei Rädern für eine zivilisierte Fortbewegung steht

Im Rahmen eines Arbeitsstipendiums  und eines Ankaufs durch die Bundesregierung nahm Michael Jastram sich noch einmal des Themas „Europa und der Stier“ an. Zur Figur schreibt Norbert Lammers, Präsident des Deutschen Bundestages a.D.: „Michael Jastram präsentiert Europa als Jahrtausende alte Vision. Deutlich erkennbar ist auch die Gefährdung der Idee von Europa durch Behäbigkeit und mangelnder Dynamik. Auf diese Weise beschwört der Künstler die Hoffnung auf Fortschritt und warnt zugleich vor der Gefahr des Stillstands“.

Auch mich begeistert die Zeitlosigkeit der Version Europas, die kaum ein anderer Künstler wie Michael Jastram hier auf so ungewöhnliche Weise treffend formuliert. Wer Jastrams Arbeiten kennt, weiß, dass die Reisenden mit ihrer ausgeglichenen Beharrlichkeit ihr Ziel erreichen werden.

 

Herzlich

Marina Grützmacher

 

07. Februar 2021

Kennen Sie diese Arbeiten schon?

Holzschnitte von Michael Morgner

Liebe Freundinnen und Freunde der Galerie,

 

in Ausstellungen habe ich sie noch nie gezeigt und nur wenigen Nachfragenden, die etwas Besonderes von Michael Morgner suchen, haben die frühen Holzschnitte gesehen, die teilweise noch zu Studienzeiten entstanden sind. In der Technik des Holzschnitts lotet Michael Morgner das konsequente und übergangslose Aneinandersetzen mit Schwarz und Weiß aus. Über viele Zwischenschritte führt ihn diese Suche zu seinen Grundformen menschlicher Existenz wie die „Reliquie Mensch“, die vor der Galerie steht, und anderen Figuren, mit denen er bis heute in einer reduzierten Eindringlichkeit Seelenzustände allgemeingültig auf Leinwand, Metall und Papier festhält.

 

Obwohl Michael Morgner in seinen Holzschnitten schöne Landschaften wählt wie die Ausläufer des Erzgebirges oder den Ostseestrand, sind es keine lieblichen Wald- und Meeresdarstellungen, sondern abstrahierte Seelenlandschaften, die wie ein Spiegel Einblick in das Selbst geben. Dazu passt auch die fast expressionistisch zu nennende Darstellung der Menschen in der Landschaft.

Ich würde mich sehr freuen, wenn diese ausgewählten Holzschnitte Ihr Interesse am frühen Michael Morgner wecken würden.

 

Die aktuelle Ausstellung "Skulpturen in der Nachfolge des Kubismus - Martine Andernach - Dietz Eilbacher - Hans Steinbrenner" wird weiterhin bis zum 06.03.2021 in der Galerie gezeigt. Leider dürfen wir Sie nicht hereinlassen. Doch Sie können mit dem Video zur Ausstellung auf unserer Homepage einen kleinen Rundgang starten.

 

Wir schicken Ihnen zur aktuellen Ausstellung und Michael Morgner im Besonderen sowie Arbeiten von anderen Künstlerinnen und Künstlern unserer Galerie gerne Materialien zu. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage.

 

Herzlich

Marina Grützmacher

31. Januar 2021

Kennen Sie diese Arbeiten schon?

Skulpturen von Heinz Jahn

Liebe Freundinnen und Freunde der Galerie,

 

auch in dieser Woche möchten wir Ihnen wieder besondere Arbeiten von einem Künstler der Galerie nahe bringen und Sie auf die freien Zeichnungen von Hans Steinbrenner aufmerksam machen, die zurzeit noch in der Galerie hängen.

 

Der Katalogtext „Hans Steinbrenner – Zeichnung, Modell, Skulptur“ von Herbert Dellwing von 1995 enthält viele kluge Bemerkungen, die heute noch Gültigkeit haben. So schreibt er: „Die Verdichtung und Einfachheit der Kunstform ist bei Steinbrenner das Ergebnis einer ständigen Suche nach den Dimensionen des Raumes. In langer mühevoller Arbeit befreit er den Raum aus dem Block. Der Raum und nur der Raum ist sein Thema. Seine Figuren bergen Raum, dienen der Verortung des Raumes, sind Orte im Raum, dessen Variationen sie ebenso erfahrbar machen wie dessen unveränderliche Eigenheit und Größe.“

 

In Hans Steinbrenners Werk gibt es allerdings auch Arbeiten wie diese vier Zeichnungen, denen keine Mühen mehr anzusehen sind. In den Blättern, in denen er mit der dichten Tusche die Volumen der Körper hinterlegt, ist noch stark das Denken des Bildhauers zu erkennen, der das Volumen einer Kernfigur hervorheben will. In weiteren  Zeichnungen löst er sich jedoch gänzlich vom Block und schafft freie Zeichen und Strukturen auf der Oberfläche des Blattes. Er schafft ungebremst vom Widerstand des Materials Zeichnungen, die keinen Vergleich mit seinen informellen Zeitgenossen scheuen müssen. In diesen Texturen, in denen ein freier Duktus zu spüren ist, entstehen feinfühlige Gebilde, in denen man bisher vielleicht noch unentdeckte Seiten von Hans Steinbrenner spüren kann.

 

Die aktuelle Ausstellung "Skulpturen in der Nachfolge des Kubismus - Martine Andernach - Dietz Eilbacher - Hans Steinbrenner" wird weiterhin bis zum 20.02.2021 in der Galerie gezeigt. Leider dürfen wir Sie nicht hereinlassen. Doch Sie können mit dem Video zur Ausstellung einen kleinen Rundgang starten.

 

Wir schicken Ihnen zur aktuellen Ausstellung und Hans Steinbrenner im Besonderen sowie Arbeiten von anderen Künstlerinnen und Künstlern unserer Galerie gerne Materialien zu. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage.

 

Herzlich

Marina Grützmacher

Kennen Sie diese Arbeiten schon?

Zeichnungen von Hans Steinbrenner

Liebe Freundinnen und Freunde der Galerie,

 

auch in dieser Woche möchten wir Ihnen wieder besondere Arbeiten von einem Künstler der Galerie nahe bringen und Sie auf die freien Zeichnungen von Hans Steinbrenner aufmerksam machen, die zurzeit noch in der Galerie hängen.

 

Der Katalogtext „Hans Steinbrenner – Zeichnung, Modell, Skulptur“ von Herbert Dellwing von 1995 enthält viele kluge Bemerkungen, die heute noch Gültigkeit haben. So schreibt er: „Die Verdichtung und Einfachheit der Kunstform ist bei Steinbrenner das Ergebnis einer ständigen Suche nach den Dimensionen des Raumes. In langer mühevoller Arbeit befreit er den Raum aus dem Block. Der Raum und nur der Raum ist sein Thema. Seine Figuren bergen Raum, dienen der Verortung des Raumes, sind Orte im Raum, dessen Variationen sie ebenso erfahrbar machen wie dessen unveränderliche Eigenheit und Größe.“

 

In Hans Steinbrenners Werk gibt es allerdings auch Arbeiten wie diese vier Zeichnungen, denen keine Mühen mehr anzusehen sind. In den Blättern, in denen er mit der dichten Tusche die Volumen der Körper hinterlegt, ist noch stark das Denken des Bildhauers zu erkennen, der das Volumen einer Kernfigur hervorheben will. In weiteren  Zeichnungen löst er sich jedoch gänzlich vom Block und schafft freie Zeichen und Strukturen auf der Oberfläche des Blattes. Er schafft ungebremst vom Widerstand des Materials Zeichnungen, die keinen Vergleich mit seinen informellen Zeitgenossen scheuen müssen. In diesen Texturen, in denen ein freier Duktus zu spüren ist, entstehen feinfühlige Gebilde, in denen man bisher vielleicht noch unentdeckte Seiten von Hans Steinbrenner spüren kann.

 

Die aktuelle Ausstellung "Skulpturen in der Nachfolge des Kubismus - Martine Andernach - Dietz Eilbacher - Hans Steinbrenner" wird weiterhin bis zum 20.02.2021 in der Galerie gezeigt. Leider dürfen wir Sie nicht hereinlassen. Doch Sie können mit dem Video zur Ausstellung einen kleinen Rundgang starten.

 

Wir schicken Ihnen zur aktuellen Ausstellung und Hans Steinbrenner im Besonderen sowie Arbeiten von anderen Künstlerinnen und Künstlern unserer Galerie gerne Materialien zu. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage.

 

Herzlich

Marina Grützmacher

Kennen Sie diese Arbeiten schon?

2 Aquarelle von Stefan Pietryga

Liebe Freundinnen und Freunde der Galerie,

 

um die Titelfrage aufzunehmen: Viele von Ihnen kennen die Aquarelle von Stefan Pietryga sicherlich schon, denn sie hingen im letzten Jahr in der Ausstellung „Die Inspiration – zwei Blicke“ mit Fotografien von Ursula Edelmann und Zeichnungen sowie Skulpturen von Stefan Pietryga. Sie sind durch die Motive und durch die Blickweise der Fotografin inspiriert.

 

Diese beiden Aquarelle sind künstlerische Annäherungen Stefan Pietrygas an Rodins Eva und die Quadriga von Schadow – es sind sehr viel mehr als lediglich Kopien. Stefan Pietryga eignet sich in diesen zeichnerischen Adaptionen die Arbeiten der von ihm sehr geschätzten Kollegen an. Mit Pinsel und Stift analysiert er sie und kommt zu einem noch tieferen Verständnis der Ideen und der Formgestaltungen, die hinter der in die Welt verstoßenen Eva und der selbstbewussten Quadriga-Lenkerin stehen. Wenn Elemente der Skulptur wie der Stab oder das vierte Pferd nur angedeutet bzw. mit einer Leerstelle bedacht werden, wird der emotionale Ausdruck wie ihn Stefan Pietryga in das Bild hineingibt, sogar noch verstärkt. Mit dieser so entstandenen auch emotionalen Nähe zur Skulptur kann er sie nun ausdeuten und seine Sicht auf die Skulpturen zeigen. In die Figur der Eva in einem Gestus zwischen Scham und Abwehr legt er unausgeglichene Linien, die auf die Unwägbarkeiten außerhalb des Paradieses hindeuten. Einzig im Blau des Hintergrundes scheint noch ein Heilsversprechen zu liegen. Die Siegesgöttin hingegen lässt er an uns in einer ernsthaften Gelassenheit vorbeifahren, die auf Pathos nicht angewiesen ist.

 

Mit der Farbe Blau aber auch den Rastern, die der Künstler seit einiger Zeit verwendet, haben wir bewährte Stilmittel mit Wiedererkennungswert von Stefan Pietryga. Diese und auch die vielen anderen Annäherungen – wir erinnern uns auch gerne an die große Lotte-Laserstein-Würdigung „Abend über Potsdam“– bringen uns aber auch die bewunderten Arbeiten von Rodin und Schadow näher: Durch seine Sicht können wir unsere eigene Betrachtung auf Idee und Ausdruck der Figuren klären und besser verstehen.

 

Die aktuelle Ausstellung "Skulpturen in der Nachfolge des Kubismus - Martine Andernach - Dietz Eilbacher - Hans Steinbrenner" wird weiterhin bis zum 20.02.2021 in der Galerie gezeigt. Leider dürfen wir Sie nicht hereinlassen. Doch Sie können weiterhin mit dem Video zur Ausstellung einen kleinen Rundgang starten.

 

Wir schicken Ihnen zu Stefan Pietryga, der aktuellen Ausstellung und anderen Arbeiten in unserer Galerie gerne Materialien zu. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage.

 

Herzlich

Marina Grützmacher

17. Januar 2021

24. Januar 2021

Kennen Sie diese Arbeit schon?

"Venedig Ca' d'Oro Maarten Baas

Installation Real Time XL I" von

Peter W. Schindler

 

2. Mai 2021

Liebe Freundinnen und Freunde der Galerie,

 

bevor wir bald eine neue Ausstellung eröffnen, setzen wir unsere Reihe der Präsentationen besonderer Kunstwerke fort. Die heutige Arbeit stammt von Peter W. Schindler und gehört zur Serie „Flüchtige Momente im Museum“. Auch hier können wir wieder auf einige erhellende Gedanken zurückgreifen, die Eckehard Tanner im Rahmen der letztjährigen Ausstellung "Peter W. Schindler –  Otfried Schütz – Ann Reder" verfasste:

„Peter W. Schindlers Fotografien werfen einen subjektiven Blick auf den Kunstbetrieb, es sind dokumentarische Bildrealitäten, die gerade in ihrer Subjektivität so interessant sind. Es ist wie eine Kombination aus Kunstfotografie und Reportage, die hier keine binäre Opposition darstellen. Mit romantischem Blick hält Peter W. Schindler jene Momente des Innehaltens und Staunens der Kunstbetrachtung fest, aber auch das Sprechen über Kunst, jene Beobachtungen, Einsichten und Erkenntnisse, welche die Kunst zum Leben erwecken. – Seit seinen künstlerischen Anfängen, bedient sich Peter W. Schindler ausschließlich analoger Kleinbildkameras und analoger Mittelformatkameras. Die Bilder werden nicht überarbeitet, sie sind nicht gestellt, auch wenn der Bildausschnitt wohlüberlegt ist. Es sind sozusagen „vorausbedachte Schnappschüsse“, um es in den Worten der zur Zeit der Weimarer Republik in Berlin als Fotografin tätigen Marianne Breslauer (1909-2001) zu sagen. Peter W. Schindler fängt den ,entscheidenden Augenblick‘ ein, jenen ,moment décisif‘ wie ihn der große Henri Cartier-Bresson (1908-2004) beschwor.“

Peter W. Schindler geht es ganz besonders in diesem Bild darum, den „Reiz des Flüchtigen“ festzuhalten. Das Foto zeigt die Performance des niederländischen Künstlers Maarten Baas in einer „Real Time Clock“ am 25.05.2019 im Rahmen der Biennale im Cà D’Oro. Jede Minute zeichnet der Künstler mit einem Stift die Ziffern auf eine Glasscheibe ein, um sie dann wieder wegzuwischen. Auf diesen Moment bereitet sich der Künstler im Bild gerade vor. Sein Arm mit dem Pinsel wird dabei selbst zum Zeiger – eine kluge Metapher für eine der wichtigsten Aufgaben von Kunst: Eine Orientierung in der Zeit zu geben und uns immer wieder daran zu erinnern, dass wir die Zeit nicht festhalten können.

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